Literaturkurs Herbst 2011
Russische Meister
Ab dem 19. Jahrhundert, ab der sogenannten „Puskin-Zeit“ bis zu Stalins Machtergreifung 1924, erlebte die russische Literatur eine große Blütezeit. Autoren wie Gogol, Turgenjew, Dostojewskij, Tolstoj, Tschechow beeindruckten in ihren Erzählungen, Romanen, Gedichten und Theaterstücken durch Wortkunst und Weltfülle, und übten einen großen Einfluss auf die kommenden Schriftstellergenerationen aus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts feierte die Moderne in den Gedichten Anna Achmatowas, Marina Zwetajewas, Sergej Jessenins oder Ossip Mandel‘stams ein Fest der russischen Sprache. Und schließlich zählt Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“ - bereits 1928 begonnen, aber erst 1966/73 veröffentlicht - für viele Kritiker zu den wichtigsten Romanen des 20. Jahrhunderts. Auf intelligente, vielfältige und sehr menschliche Weise setzte sich die russische Literatur dieser Epoche mit der Existenz des Menschen und seinen historisch-gesellschaftlichen Bedingtheiten auseinander, und es entstanden Werke, die die Bedeutung, ja die Notwendigkeit von Literatur auf berührende Weise spürbar machen.(Gudrun Dittmeyer)
Meister der Groteske:Nikolaj Gogol. Die Nase. 1836 Meister der Alltäglichkeit: Anton Tschechow. Die Dame mit dem Hündchen. Meister der Psychologie: Fjodor M. Dostojewskij. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch. 1864 Meister des Realismus:Iwan S. Turgenjew. Väter und Söhne. 1862 Meister der Menschlichkeit:Michail Bulgakow. Der Meister und Margarita. 1966/73
Lektürekurs: 4 x Hamlet
Shakespeare schrieb 1603 mit seinem Drama „The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark“ einen der Schlüsseltexte der westlichen Literatur. Hamlets Zögern, seine Handlungsunfähigkeit, geschuldet dem ewigen Dilemma zwischen komplexem Denken und notwendiger Aktion, hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt.Im Lektürekurs wird zunächst an drei Abenden das Shakespeare Drama diskutiert. Anschließend soll mit John Updikes Roman „Gertrude und Claudius“ (2000), der die Vorgeschichte zum Hamlet-Stück thematisiert, die aktuelle Auseinandersetzung zeitgenössischer Autoren mit dem Hamlet-Stoff betrachtet werden. Ergänzend kann dazu das Schauspiel „Die Hamlet-maschine“ (1977) von Heiner Müller in den Kammerspielen Frankfurt besucht werden, um die Diskussionsbasis zu bereichern. (Gudrun Dittmeyer)
Frühjahr 2011
Männergeschichten
„Meine Gedanken versuchten, sich das Leben von Männern vorzustellen, die ihre Zeit damit verbringen, Bücher über Frauen zu schreiben; ob sie nun alt oder jung waren.“, so schreibt Virginia Woolf angesichts ihrer Beobachtung, dass Frauen wohl die von Männern am meist beschriebenen „Lebewesen des Universums“ seien. Und in der Tat, die Literatur gibt unzählige Beispiele für die Faszination, ja die Besessenheit, die Frauen bei Männern auslösen können. „Chercher la femme“ - von der Pubertät bis ins betagte Alter, überall auf der Welt: Beim Nobelpreisträger Vargas Llosa verfällt in Lima der 18jährige Mario seiner schönen Tante Julia. In Zaimoglus „Liebesbrand“ leistet in der Türkei eine junge Frau dem schwerverletzten David erste Hilfe und erschüttert damit dessen Gefühlsleben wie ein Erdbeben. Philip Roth Held Peter Tarnopol kann nicht die Finger lassen von den neurotisch-zerstörerischen Frauen der amerikanischen Ostküste. Bei Jean-Philippe Toussaint bildet das fremde, anonyme Tokio die Kulisse für die schwierig langwierige Trennung des Ich-Erzählers von Marie. Und Max Frisch erzählt als über 60jähriger von seiner kurzen heftigen Leidenschaft für die junge Lynn an einem Maiwochenende in Montauk.(Gudrun Dittmeyer)
Sehr junge Männer: Mario Vargas Llosa.Tante Julia und der Kunstschreiber 1977. Junge Männer: Feridun Zaimoglu.Liebesbrand 2008. Männer in den besten Jahren (I): Philip Roth. Mein Leben als Mann. 1970. Männer in den besten Jahren (II): Jean Philippe Toussaint. Sich lieben. 2002. Ältere Männer: Max Frisch. Montauk. 1975
Literaturwochenende: Geschlechterwirrwarr In Sally Potters Verfilmung von Virginia Woolfs Roman „Orlando“ erwacht nach einem siebentägigen Dauer- schlaf der Held - und ist eine Frau. Er/Sie betrachtet sich gefasst im Spiegel und spricht zu sich: „Der selbe Mensch, überhaupt kein Unterschied, einfach nur ein anderes Geschlecht.“ Von nun an lebt Orlando weiter als Frau, aber eben mit seiner/ihrer bisherigen Sozialisation und Erfahrung als Mann. Genau umgekehrt verfährt Jeffrey Eugenides in seinem Roman „Middlesex“: Calliope wächst als Mädchen heran, wird als Mädchen erzogen bis sie 14 Jahre alt ist und ein Arzt erkennt, dass sie biologisch betrachtet ein Mann ist. Es folgt eine Zeit der Suche, des Schlitterns zwischen den Geschlechtern, bis Cal(liope) sich für ein Leben als Mann entscheidet. Beide Romane thematisieren ein uraltes, immer aktuelles Thema: den Wirrwarr der Geschlechter. Schon die griechische Mythologie kennt mit Tiresias oder Hermaphroditos verwirrende Mischwesen aus Mann und Frau. Und heute wird in der Gesellschaft unter dem Begriff „Gender Studies“ weiter diskutiert: Was ist männlich, was ist weiblich? Soll man von der Gleichheit und Ähnlichkeit der Geschlechter ausgehen oder von ihrer Unterschiedlichkeit? Damit wird gleichzeitig auch eine viel umfassendere Frage gestellt: Wie entsteht unsere jeweilige Identität, unsere eigene, spezifi- sche Persönlichkeit? Welche Rolle spielt dabei das biologische Geschlecht, die genetische Veranla- gung, die Erziehung, das soziale Umfeld? Was ist dabei Zufall und was Notwendigkeit? Literarisch bearbeitet bringen solch gesellschaftlich relevanten Fragen oft neue Einsichten und Dimensionen zu Tage. (Gudrun Dittmeyer)
Herbst 2010
FrauenZimmer
Wenn man Schriftstellerinnen fragt, was ihnen das Schreiben bedeutet, antworten sie atemlos "ich lebe ich schreibe" (Friederike Mayröcker) oder in großer Not "man stirbt, wenn man es lässt" (Hilde Domin). Schriftsteller äußern sich ähnlich. Wenn es aber darum geht, wo Literatur entsteht, verweisen dichtende Frauen immer wieder auf ihr Zimmer, den eigenen Raum. Ein weiblicher Raum, der gefüllt ist mit Emotionen, mit Sprache, mit Selbstbestimmung. Von diesem Raum blicken sie auf die Welt. Von hier aus treten sie ins Gespräch. Sicheren Schutz bietet der dennoch nicht. Schwer ist er zu erobern, mühsam muss er verteidigt werden. Er verspricht Freiheit, die bedrohter nicht sein könnte. "Ich richtete mir ein Zimmer ein/in der Luft, unter den Akrobaten und Vögeln", dichtete Hilde Domin. Denn die Bedingungen weiblichen Schreibens sind prekär. Bis heute. Für immer? Und doch oder gerade deshalb sind die literarischen Stimmen von Frauen unverwechselbar. Erzählen sie etwa weiblich? Oder blicken sie anders auf die Welt? Wie sehen ihre Zimmer aus? Und wie wohnen sie eigentlich? (Eva Sigrist)
Virginia Woolf. Ein eigenes Zimmer. Hilde Domin.Gedichte und autobiographische Schriften Lyrik:Else Lasker-Schüler, Ingeborg Bachmann, Gertrud Kolmar u.a. Friederike Mayröcker. Und ich schüttelte einen Liebling. 2005 Annette Pehnt. Mobbing. 2007 Ingeborg Bachmann. Malina. 1971
Frühjahr 2010
Avantgarde 1910-1933
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts rumorte es in der europäischen Kultur gewaltig. Die technischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen schafften eine neue Welt und veränderten Wahrnehmungen und Empfindungen radikal. Das Establishment reagierte nur zögerlich, die künstlerischen Bewegungen dagegen umso heftiger. Man rebellierte gegen die Welt der Väter und zwar auf umfassende Weise. Man proklamierte das gänzlich Neue in allen Künsten, in der Malerei ebenso wie in der Literatur, in der Musik, im Film oder in der Architektur. Und man sprengte die Grenzen der Kunst, indem man sie direkt in die Lebenspraxis überführte. Die neue Kunst sollte nichts geringeres als das Zusammenleben, das Leben überhaupt revolutionieren und das immer wieder aufs Neue: auf den italienischen Futurismus folgte der Expressionismus, dann Dadaismus und Surrealismus. „Der Sturm“ oder „Die Brücke“ stehen für avantgardistische Literatur und Malerei, Werkbund und Bauhaus für neue Formen des Lebens und Wohnens. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde 1933 dieses kreative, subversive und Grenzen überschreitende Tun abrupt beendet. Gudrun Dittmeyer
Expressionismus: Alfred Döblin: Die Ermordung einer Butterblume Außenseiter: Robert Walser. Der Spaziergang Lyrik: Expressionismus, DADA, Surrealismus Surrealismus: André Breton. Nadja Neue Sachlichkeit: Erich Kästner. Fabian
Herbst 09
Literaturkurs: Grenzgänger: Die Manns
Nicht erst seit Heinrich Breloers vierteiliger Fernsehserie „Die Manns. Ein Jahrhun-dertroman“ zieht die Schriftstellerfamilie ein geradezu voyeuristisches Interesse auf sich. Der Büchermarkt wird seit Jahren überschwemmt mit Biographien, Familienchroniken und (populär)wissenschaftlichen Monographien. Das eigentliche literarische Werk der schreibbegabten Familienmitglieder tritt dagegen fast schon in den Schatten. Dabei lässt sich gerade in ihm die besondere „Mannsche“ Faszination erspüren: eine Faszination, die ihre Wurzeln in der Zerrissenheit, der Doppelbödigkeit, ja Abgründigkeit der menschlichen Existenz birgt, die aber auch aus den konkreten individuellen, familiären und zeitgeschichtlichen Spannungen hervorgeht. Aus den Büchern aller Manns sprechen die Grenzerfahrungen antibürgerlicher Neigungen inmitten eines bürgerlichen Lebens, ebenso wie die Grenzerfahrungen des Emigrantenschicksals, der Verlust der Sprachheimat und das aushöhlende Gefühl der „Menschenfremde“. Gudrun Dittmeyer
Grenzperspektive: Katia Mann. Meine ungeschriebenen Memoiren Literarische Grenzerfahrungen: Thomas Mann. Der kleine Herr Friedemann, Die Betrogene Autobiographische Grenzüberschreitungen: Klaus Mann. Der Vulkan Psychologische Grenzsituationen: Michael Lentz. Pazifik Exil
Frühjahr 09
Literaturkurs: Zwischen Heimat und Fremde
In Deutschland leben rund 15 Millionen Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund. Weltweit verlassen schätzungsweise 190 Millionen Menschen ihr Heimatland, um in der Fremde ihr Glück zu suchen. Die Gründe für ihren Aufbruch sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Die einen fliehen vor Krieg und Verfolgung, andere treibt die blanke Armut fort. Einige kommen mit der Hoffnung auf materiellen Wohlstand. Die wenigsten wandern aus Neugierde auf neue Länder, Gesellschaften und Kulturen aus. Wie aber fühlt es sich an, wenn man ankommt? Wie verändert sich das Leben, wenn man bleibt? Bleibt die Heimat wirklich zurück? Oder anders gefragt: wird man sie jemals los? Was ist Heimat eigentlich, und was macht Fremde aus? Mit diesen Fragen im Gepäck soll es auf literarische Weltreise gehen. Gut möglich, dass die Antworten auch für Deutschland relevant sind. Eva Sigrist
Josef Winkler. Wenn es soweit ist Emine Sevgi Özdamar. Mutterzunge Isaac Bashevi Singer. Verloren in Amerika Amy Tan. Töchter des Himmels Jhumpa Lahiri. Melancholie der Ankunft Gustave Le Clézio. Die Wüste
Literaturkurs: Literarische Leckerbissen. Vom Essen und Trinken in der Literatur
Kann es Zufall sein, dass Eva gerade mit einer Frucht, mit der Frucht vom Baum der Erkenntnis Adam verführte? Steckt in diesem alttestamentarischen Bild nicht schon die ganze Sprengkraft der Verknüpfung von kulinarischen, geistigen und sonstigen körperlichen Genüssen? Von der weiblichen Finesse ganz zu schweigen? Essen und Trinken ist mehr als nur die Befriedigung natürlicher, lebenserhaltender Bedürfnisse. Essen und Trinken ist auch Ausdruck sozialer und kultureller Entwicklungen und Unterschiede, beim Individuum ebenso wie in der Gesellschaft. Neben den sinnlich-ästhetischen Möglichkeiten, die die Beschreibung von Nahrungsmitteln und Mahlzeiten bietet, nutzen Dichter nicht selten bestimmte Essgepflogenheiten, um ihre Helden zu charakterisieren oder schaffen mit ausführlichen Essensszenarien lebendige Milieubeschreibungen. Darüber hinaus kann das Thema Essen und Trinken in der Literatur seine wirklichkeitsbeschreibende Funktion überschreiten und auf eine geistig-seelische Ebene transportiert werden: Motive wie Hunger, Verschwendung oder maßlose Gier sollten auch immer in ihrer symbolischen Bedeutung gelesen werden. Gudrun Dittmeyer
Nikolaj Gogol. Tote Seelen Honoré de Balzac Cousin Pons Theodor Fontane. Jenny Treibel Franz Kafka. Ein Hungerkünstler und Forschungen eines Hundes Tania Blixen. Babettes Fest Günter Grass. Der Butt
Herbst/Winter 08/09: Literaturkurs: Zeitgeschichte - Zeitgeschichten. Literarische Nabelschau aus 60 Jahren Bundesrepublik Deutschland
Nicht selten besitzen Schriftsteller die seismographische Fähigkeit, gesellschaftliche Veränderungen zu registrieren, noch bevor diese in das Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen und dann - mit einer gewissen Zeitverzögerung - in den Feuilletons, in der Politik, in den Gesellschaftswissenschaften diskutiert werden. 2009 jährt sich nun das Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland zum 60. Mal. Ein guter Anlass, um die einzelnen Jahrzehnte mit ihren spezifischen Entwicklungen Revue passieren zu lassen und um zu sehen, wie verschiedene Autoren Zeitströmungen in ihren Texten verarbeiten. Aber auch um kritisch zu hinterfragen, ob dies denn immer gelingt und ob Tagesaktualität und Literaturästhetik wirklich gut miteinander zu vereinbaren sind. Gudrun Dittmeyer
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Die Stunde Null: Wolfgang Borchert. Draußen vor der Tür. 1947
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Die Adenauerära: Wolfgang Koeppen. Das Treibhaus. 1953
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Literatur wird tagespolitisch: Günter Grass: örtlich betäubt. 1968
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Empfindungsforschung: Botho Strauß: Die Widmung. 1977
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Weibliches Schreiben: Birgit Vanderbeke. Muschelessen. 1990
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Ostdeutsche Provinz: Ingo Schulze. Simple Storys. 1998
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Unbeteiligtes Leben:Katharina Hacker. Die Habenichtse. 2006
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Januar 09: Literaturseminar: Lesen - Wiedergelesen
“Lies, um zu leben.”, schrieb im Juni 1857 Gustave Flaubert an die Schriftstellerin Mlle. de Chantepie. Und tatsächlich scheint Literatur etwas über das Leben zu wissen, scheint Literatur etwas zu sehen, zu beschreiben, zu vermitteln, was in den sogenannten “harten” Wissenschaften und anderen Informationsmöglichkeiten unserer Gesellschaft nicht so eindringlich und komplex gefasst werden kann. Das merkt man vor allem an Büchern, die, obwohl schon vor Jahren gelesen, einen nicht mehr los lassen. Immer wieder tauchen sie in der Erinnerung auf, hinterlassen ein Gefühl diffuser Faszination oder aber auch ein Gefühl von Irritation und Beunruhigung. Mit drei dieser “Lebens-Bücher” möchten wir uns in einem ganztägigen Literaturseminar beschäftigen und damit auch gleich Fragen diskutieren, wie “Was bedeutet mir Lesen?” “Welche Bücher lese ich?” “Wie treffe ich meine Auswahl?” Wie sehr unsere Leseneigungen dabei von außen, vom Literaturbetrieb beeinflusst werden, zeigt ein Blick auf die Geschichte der “ersten deutschen Literaturnationalmannschaft”, die Gruppe 47. Kurz nach Kriegsende aus dem Bedürfnis heraus geboren, einen Neuanfang für Wahrheit und Glaubwürdigkeit in Sprache und Literatur zu versuchen, mauserte sich die Gruppe bald zum tonangebenden Zentralorgan des deutschen Literaturmarktes.Gudrun Dittmeyer p r o g r a m m: teil 1:Ich-bespiegelung: * max frisch. homo faber intermezzo:die gruppe 47 oder der deutsche literaturbetrieb nach ‘45 teil 2: ich-entgrenzung: *albert camus. die pest* siegfried lenz. deutschstunde
Herbst/Winter 08/09 Literaturkurs: Die Türkische Bibliothek - faszinierend farbig
Die Türkei – ein Land so nah und doch so fern. Rund 2,4 Millionen Menschen türkischer Abstammung oder Nationalität leben in Deutschland. Die ersten von ihnen sind vor einem halben Jahrhundert auf der Suche nach Arbeit zu uns gekommen. Über 4 Millionen Deutsche verbringen jedes Jahr ihre Ferien in der Türkei. Und doch wissen wir wenig über unsere türkischen Nachbarn und das Land zwischen Orient und Okzident. Ein Land, das unter Mustafa Kemal „Atatürk“ erst 1923 als türkische Republik ausgerufen wurde. Eine junge Republik also, die bis heute ihren Weg zwischen Tradition und Moderne, laizistischer Staatsauffassung und religiöser Verwurzelung, autoritärer Verführung und demokratischem Wandel sucht. Als Brückenstaat verbindet sie den Nahen Osten mit Europa. Das macht sie „faszinierend farbig“ - wie sie sich selbst als Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorstellt. Gastfreundlich zeigen sich Robert Bosch Stiftung und Stiftung Lesen, die zusammen eine Ausstellung zur türkischen Literatur, Geschichte und Gesellschaft konzipierten. Die StadtBibliothek Bad Homburg wird sie rund um die Frankfurter Buchmesse zeigen. LiteraTouren.kultur in oberursel e.V. bietet dazu einen Literaturkurs an, der Leserinnen und Leser auf den Geschmack der facettenreichen „Türkischen Bibliothek“ bringen möchte. Eva Sigrist
Zwischen Macht und Ohnmacht - Yasar Kemal. Memed mein Falke. 1955 Zwischen Türkei und Deutschland – Emine Sevgi Özdamar. Das Leben ist eine Karawanserei * hat zwei Türen * aus einer kam ich rein * aus der anderen ging ich raus. 1992 Literarisch reisen – Von Istanbul nach Hakkâri. Erzählungen türkischer Gegenwartsautoren Zwischen Orient und Okzident - Orhan Pamuk. Schnee. 2002
Sommer 08 Literaturkurs: Goethe
Goethe: 1749-1832 - ein langes Leben! Und Goethe hat es genutzt wie kaum ein zweiter. Er hat gezeichnet, gelesen, gelernt, studiert, geforscht. Er hat diskutiert, philosophiert, politisiert und das Herzogtum Weimar maßgeblich reformiert. Goethe hat die Frauen geliebt und die Großen der Zeit beeindruckt. Krisen haben ihn geschüttelt, Entsagungen gestärkt, er hat den Augenblick genossen und die innere Erfüllung eines fruchtbaren Lebens gespürt. Und über all das hat Goethe geschrieben. Er hat sein Leben, seine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle erzählt, dramatisiert, verdichtet in unerhörter Produktivität, in unerhörter Originalität, in unerhörter Vielfalt und Tiefe. Die Romane, Dramen und Gedichte sind immer noch aktuell, mitreißend und unterhaltsam und somit einfach lesenswert. Gudrun Dittmeyer
Aus dem Leben schreiben: Über Goethe Die Leiden des jungen Werthers Goethes Lyrik Die Wahlverwandtschaften
Literaturkurs: PERSPEKTIVENWECHSEL - Vom Buch zum Film
Der Stoff, aus dem Filme sind, ist überraschend oft literarisch. Das leuchtet aber ein. Schließlich erzählen Bücher und Filme gleichermaßen Geschichten, sie eröffnen ungewohnte Blickwinkel und verwickeln uns lesend oder betrachtend in fremde Welten. Und wer kennt nicht diese wohlige Erschöpfung, innere Erregung oder auch das ruhelose Nachsinnen, wenn der Buchdeckel geschlossen oder der Nachspann eingeblendet wird? Nichtsdestotrotz, die Verfilmung von Literatur gleicht der Quadratur des Kreises. Denn während die Literatur Bilder vor dem geistigen Auge eines jeden Lesers entwirft und damit eine Vielfalt individueller Vorstellungen zulässt, beansprucht der Film mit konkreten Bildeinstellungen eine einzige Lesart. Oder doch nicht? Vermag der Film mit seinen künstlerischen Möglichkeiten wie Farbe und Schnitttechnik, Geräusch und Musik Stimmungen zu kreieren und fühlbar zu machen, von der die Literatur nur träumen kann? Vier bedeutende Bücher aus zwei Jahrhunderten und deren heraus- ragende Verfilmungen sollen als Grundlage dienen, um diesen Fragen nachzugehen. Eva Sigrist
Jeffrey Eugenides. Die Selbstmordschwestern (1993) Regisseur: Sofia Coppola. (2000) Marguerite Duras. Der Liebhaber (1984) Regisseur: Jean-Jacques Annaud. (1991) Heinrich von Kleist. Die Marquise von O.(1808) Regisseur: Eric Rohmer (1975/76) Theodor Fontane. Effi Briest (1895) Regisseur: Rainer Werner Fassbinder (1974)
Winter 08 Lektürekurs: Klassiker - wiedergelesen Johann Wolfgang von Goethe. Faust. Der Tragödie Zweiter Teil
Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Ehrfürchtiges Erschauern durchzieht die Gesichter beim Nennen dieses großen Dramas. Die Ehrfurcht ist so tiefgehend, dass man sich an den Text selbst gar nicht mehr herantraut. Man kennt die eine oder andere Passage vom Hörensagen: den Terzinenmonolog, den Müttermythos und Fausts unbändigen Tatendrang und vorgebliche Selbsterlösung als vermeintliche Vorwegnahme der Verirrungen deutscher Geschichte. Seltsam verspielte Szenerien mit schwer zugänglicher Bedeutung fordern den Leser/ Zuschauer heraus. So empfiehlt es sich gerade im Kreise eines Lektürekurses, sich in aller Ruhe mit dem Alterswerk Goethes auseinander- zusetzen, gestalterische Einfälle und sprachlichen Reichtum wirken zu lassen und möglichen Antworten auf entscheidende Menschheitsfragen nachzuspüren. Gudrun Dittmeyer
Akt 1 - Einfühung und Kulturelle, soziale und ökonomische Aspekte in den Kaiserhofszenen Akt 2 - Wissenschaft und Kunst, die ästhetische Bildung des Menschen Akt 3 - Helena oder die Vermittlung der Antike in der Kunstperiode Akt 4 - der neuzeitliche Machtstaat mit seinen veränderten politischen und militärischen Mitteln Akt 5 - der Mensch der Moderne als totalitärer Herrscher über Natur und Gesellschaft. Schlussdiskussion
Zusatzangebot: Faust 1. Wiederholungsnachmittag.
Herbst 07/Winter 08 Literaturkurs: Literarische Debüts
Nicht selten erweist sich das Debüt eines angehenden Schriftstellers als kleines literarisches Meisterwerk. In überraschend deutlicher Weise kündigt der Erstling den Stoff und die sprachlich-stilistischen Eigenarten der späteren Werke an. Alles scheint bereits angelegt, zeigt sich aber oftmals weniger komplex, kürzer, prägnanter und eignet sich somit vorzüglich als Einstiegslektüre.Gudrun Dittmeyer
Robert Musil. Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (1906) Annette Pehnt. Ich muß los (2001) James Joyce. Dubliner (1914) Philip Roth. Goodbye, Columbus (1959) Uwe Johnson. Mutmassungen über Jakob (1959) Heinrich Böll. Der Zug war pünktlich (1949)
Literaturkurs: Frühjahr/Sommer 07 Von paradiesischen Orten und höllischen Fahrten
Paris und Venedig, Irland, Afrika oder Arktis - schon immer richteten sich Schriftsteller in Städten ein, bezogen Landschaften und machten sich ersehnte Orte gefügig. Was aber Kulisse zu sein scheint, entpuppt sich als feinste literarische Knüpftechnik. Denn verortete Literatur bewegt sich in der Geschäftigkeit der Metropolen, atmet Gerüche, fröstelt im Nebel. Sie setzt uns dem heißen Savannenwind aus und stößt uns in Eis und Dunkelheit. Und doch verfolgt die Imagination von Orten, die das Paradies bereit halten könnten, und Reisen zwischen Himmel und Hölle nur das eine Ziel: wahre Geschichten vom Leben zu erzählen.Eva Sigrist
Mythos Venedig. Thomas Mann. Tod in Venedig Auf den Boulevards von Paris. Peter Handke. Die Stunde der wahren Empfindung Annäherung an Irland. Heinrich Böll. Irisches Tagebuch Mit Hemingway auf Safari. Short stories aus Afrika Eiskalte Abenteuer. Christoph Ransmayr. Die Schrecken des Eises und der Finsternis
Lektürekreis Winter 07 Klassiker - wiedergelesen: Goethe. Faust. Der Tragödie Erster Teil. Lektürekurs in fünf Bildern und zwei Filmen
Der Faust ist das Schauspiel aller Schauspiele, zusammengesetzt aus theatralischen Elementen vieler Jahrhunderte, reich genug an Sinnfälligem, Buntem und Bewegtem, um das naivste Publikum ebenso zu fesseln, wie den Höchstgebildeten.“ So begeistert äußerte sich vor annähernd 100 Jahren Hugo von Hofmannsthal. Und in der Tat: Goethes Faust zählt zu den schönsten, aber auch komplexesten Dichtungen in deutscher Sprache. Formenreichtum, Sprachkraft und Gestaltungswille haben hier einen neuen Höhepunkt erreicht - nicht nur innerhalb des Goetheschen Werkes. Über 70 Jahre hat die Arbeit am Faust Goethes Leben begleitet, durch alle Altersstufen hindurch, vom jungen Stürmer und Dränger bis zum gereiften Weimarer Klassiker - ein Lebenswerk. Und das Leben selbst, in seiner ganzen Fülle und Widersprüchlichkeit, steckt in diesem Stück, das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat. Gudrun Dittmeyer
Bild 1: Fauststoff und Entstehungsgeschichte des Goetheschen Fausts Bild 2: Präludien und Gelehrten-Tragödie Bild 3: Gretchentragödie Bild 4: Faust und Mephisto - eine vielschichtige Beziehung Bild 5: Nebenszenen und Blick auf das Ganze Aufführungsgeschichte und Aktualität Zwei Filme: Ausgewählte Filmausschnitte aus den Inszenierungen von Peter Gorski (1957/60) und Dieter Dorn (1988)
Herbst/Winter 2006/2007 Literaturkurs: Frankfurter Autoren
Frankfurt - die heimliche Hauptstadt des Buches? Wie keine andere Stadt repräsentiert Frankfurt seit der Nachkriegszeit die literarische Landschaft Deutschlands. Hier trifft sich auf der jährlichen Buchmesse alles, was in der Literaturwelt von Rang und Namen ist. Hier haben die altehrwürdigen Verlage Suhrkamp/Insel und S. Fischer ihren Sitz. Hier residiert und richtet die literarische Institution Marcel Reich-Ranicki. Hier, im Stadtteil Bergen-Enkheim, wurde das ehrwürdige Amt des Stadtschreibers geboren. Hier findet die Frankfurter Poetikvorlesung statt - mit ihren illustren Gastdozenten wie Günter Grass oder Andreas Maier ein Spiegel der jüngsten deutschen Literaturgeschichte. Und hier gründete sich die „Neue Frankfurter Schule“ mit Robert Gernhardt, als dem wohl berühmtesten Vertreter zeitgenössischer, deutscher Lyrik. So wundert es nicht, dass Frankfurt geradezu magische Anziehung auf viele Schriftsteller ausübt. Die Vielfalt, ja Widersprüchlichkeit der Stadt wirkt äußerst inspirierend und die besondere Mischung aus Tradition und Moderne, Bürgerlichkeit und Revolutionsgeist, hessischem Kleinstadtkolorit und multikulturellem Großstadtflair bringt immer wieder interessante Werke hervor. Gudrun Dittmeyer
Frankfurter Geschichten 1: Valentin Senger. Kaiserhofstraße Frankfurter Institutionen: Eva Demski. Afra. Frankfurter Geschichten 2: Wilhelm Genazino. Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman Frankfurter Verhältnisse: Andreas Maier. Kirillow. Aufbruch von Frankfurt. Martin Mosebach. Der Nebelfürst
Frühjahr/Sommer 2006 Literaturkurs: Romantik als Kunst- und Lebensform
Zwischen 1800 und 1850 versuchten junge Künstler eine andere Welt, eine Gegenwelt zur Uniformität und Normalität der bürgerlichen Gesellschaft zu entwerfen. Individualität und Freiheitsstreben, aber auch Interesse am Irrationalen und großes ästhetisches Empfinden kennzeichneten diese Epoche. Kunst und Leben sollten zu einer unlösbaren Einheit verschmelzen: Die Kunst sollte voller Leben sein, das Leben voller Kunst. Mit verschiedenen Texten und Exkursen in ihre Musik, Malerei und Lebenswelt möchten wir uns den Romantikern nähern und ihre Spuren bis in unsere Gegenwart hinein verfolgen. Gudrun Dittmeyer
Carola Stern. Der Text meines Herzens. Das Leben der Rahel Varnhagen Christa Wolf. Kein Ort. Nirgends. “Durch die Nacht, die mich umfangen, blickt zu mir der Töne Licht.” Lyrik der Romantik und Ihre Vertonungen. (Textmaterial im Kurs) E.T.A. Hoffmann. Der Sandmann. Victor Hugo. Der letzte Tag eines Verurteilten Edgar Allen Poe. Der Mord in der Rue Morgue.
Herbst/Winter 2005
Vom Manuskript zum Leser - Rund um die Frankfurter Buchmesse
Das neue Thema beleuchtet die zu lesenden Bücher unter dem Aspekt der Übersetzung. Vermittelt die Übersetzung der "Korrekturen" von Jonathan Franzen ins Deutsche noch die sprachlichen Besonderheiten des Amerikanischen, die Besonderheiten der typisch amerikanischen Mittelschicht? Lässt sich Nobelpreisträgerin Jelinek überhaupt in andere Sprachen übersetzen? Welchen Einfluss übten die zahllosen Übersetzungen Paul Celans auf seine eigene Lyrik aus? Und was passiert mit einem Gedicht, wenn es in Töne übersetzt wird? Eva Sigrist
Jonathan Franzen. Die Korrekturen Elfriede Jelinek. Die Klavierspielerin Celan und mehr. Der Lyriker Paul Celan als Übersetzer. Übersetzung in Töne. Romantische Gedichte und ihre Vertonungen.
Frühjahr/Sommer 2005
Nacktheit in der Moderne. Malerei und Literatur um 1900
Unser neues Thema liegt richtig in der (Frühlings-)Luft. Denn gleich zwei hochkarätige Ausstel- lungen befassen sich mit "Nacktheit und Sexualität in der Moderne": In der Frankfurter Schirn zeigt sich die "Nackte Wahrheit" durch Künstler wie Klimt, Schiele und Kokoschka. Und Tübingens Kunsthalle widmet sich dem Thema "Bordell und Boudoir" mit Werken von Cezanne, Degas, Toulouse-Lautrec und Picasso. Gudrun Dittmeyer
Franziska zu Reventlow. Amouresken Heinrich Mann. Professor Unrat Arthur Schnitzler. Die Traumnovelle Laura Restrepo. Die dunkle Braut
Herbst/Winter 2004
Klassisches und Modernes aus Frankreich
Die Literatur unseres französischen Nachbarn. Mit viel Charme, Humor und Menschlichkeit werfen vergangene und zeitgenössische Autoren ihren Blick auf die condition humaine und zeigen uns ein Frankreich hinter den üblichen Klischees. Gudrun Dittmeyer
André Makine. Das Französische Testament Jean Rouaud. Die Felder der Ehre Alfonse Daudet. Briefe aus meiner Mühle Guy de Maupassant. Das Haus Tellier und Mademoiselle Fifi Albert Camus. Die Pest Colette. Mitsou
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