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Jahreswechsel

3. Dezember 2019

2019

 

Das Literaturjahr 2019 in Oberursel geht zu Ende und wir schauen noch ganz angetan auf ein vielseitiges und anregendes Programm zurück:

 

Der Oberurseler Frühling 2019 war literarisch wie noch nie: Anfang Mai unsere Teilnahme an “Frankfurt liest ein Buch” mit dem fulminanten Roman Westend von Martin Mosebach. Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum las Passagen aus dem Buch, erinnerte sich an seine Kindheit in Oberursel-Stierstadt und plauderte über die vielfältigen, immer weiter anwachsenden Beziehungen zwischen der Stadt Frankfurt und ihrem Umland.

 

Dann ging es gleich weiter mit den sehr erfreulichen Ersten Oberurseler Literaturtagen “was uns bewegt”. Die Europawahl im Mai 2019 gab den thematischen Schwerpunkt: Was bedeutet uns Europa heute und welche Verwerfungen könnten ein geeintes Europa in der Zukunft gefährden? Um sich darüber Gedanken machen zu können, erschien es uns notwendig zurückzuschauen, aus welcher historischen Situation, aus welchem Geist dieses Vereinte Europa gegründet wurde. Die Romane von Gabriele Tergit, Manja Präkels, Jaroslav Rudis und Anne Weber tragen zu dieser Rückschau bei und beleuchten jeweils eine ganz bestimmte Facette der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Und für die Zukunft Europas, für seine Kinder, las Martin Ebbertz Gedichte aus seinem neuen Buch “PRIMA HOL ZOFEN PIZZA”. Was für ein wunderbares Vergnügen der spielerische Umgang mit Sprache bereitet! Die drei Musikanten von Vagabondoj spielten dazu fröhlich auf. Es waren horizonterweiternde Tage und wir danken nochmals herzlich allen Beteiligten, allen Unterstützern, Förderern und dem großen und kleinen Publikum. Mit ihrer Anwesenheit, ihrem Interesse zuzuhören und mitzudiskutieren haben sie die Lesungen sehr bereichert.

 

Autorenbild

 

Jetzt im Herbst ging es weiter mit drei Veranstaltungen: Bezug auf Norwegen, dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse, nahm Christian Wirmers Schauspielmonolog “Morgen & Abend” nach der gleichnamigen Erzählung des norwegischen Autors Jon Fosse. Junge, neue Lyriktöne brachte der Frankfurter Salon Fluchtentier, vertreten durch Ute Paul, Martin Piekar und Katrin Pitz, zu Ehren des fabelhaften Verlegers V.O. Stomps und zur Erinnerung an 70 Jahre Eremiten-Presse im November nach Oberursel.  Das Literaturprogramm endete mit Thomas Hupfers Lesung “Die Verwandlung” von Franz Kafka – ein Klassiker, der unter die Haut geht. Die existentielle Grundsituation des Menschens in und mit der Welt, die Ambivalenzen, die Widersprüchlichkeiten des Lebens auf knapp fünfzig Seiten. Eine sprachliche Glanzleistung.

 

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Begleitet wurden unsere Veranstaltungen in der kunstbühne portstrasse durch zahlreiche Literaturabende zur Kurzprosa und Lyrik, vorbereitet und geleitet von Eva Sigrist. Sie verstand es, mit Film und Theaterbesuch neue Zugänge zu den Texten zu ermöglichen und das Bereichernde der Literatur spürbar zu machen.

 

Wir danken allen unseren Mitgliedern, Unterstützern und Förderern: kunstbühne portstrasse, Buchhandlung Marion von Nolting, HMWK, hr2 Kultur, KSfO e.V., Taunussparkasse, Hessisches Literaturforum im Mousonturm, Ganesha,…

 

 

2020

Jetzt blicken wir schon vorfreudig ins neue Jahr. Das beginnt bereits am 15. Januar mit einem neuen Literaturformat: Unter dem Titel “Aufgelesen” bietet Eva Sigrist in unregelmäßigen Abständen einen gemeinsamen Lektüreabend, der sich einem literarischen Werk widmet. Daneben gibt es aber weiterhin “Lyrik am Sonntag” und die “Kunst der kurzen Form”.

 

Und die Veranstaltungen?

 

Gleich am 13. Februar ein Knüller in der kunstbühne portstrasse, denn jetzt ist es raus: “Hans Zippert steigt auf ” heißt der aktuelle Buchtitel des Oberurseler Welt-Kolumnisten, Buchautors und Ex-Chefredakteurs der Titanic.  Reisen Sie zusammen mit Zippert kreuz und quer durch die Republik und besteigen Sie mit ihm die höchsten Gipfel der sechzehn deutschen Bundesländer. Eine Parforcetour: steil, anstrengend und fordernd für Körper und Geist.

 

Dann der Internationale Tag der Frau am 8. März: Der perfekte Termin, um sich von Birgitta Assheuer und Eva Sigrist durch die großen Werke deutschsprachiger Schriftstellerinnen und Dichterinnen führen zu lassen. Feminin durchgroovt mit den Klängen des Quartetts “Flûtes Fatales”.

 

Ende März wird es die zweiten Oberurseler Literaturtage geben. Unter der Leitung des Kultur- und Sportfördervereins Oberursel und dem Thema “Erzählung.Macht.Identität” organisieren neun Oberurseler Institutionen neun Literaturveranstaltungen: Wir sind mit von der Partie und haben für Sie Andreas Maier eingeladen, der nicht nur aus seinem aktuellen Ortsumgehungsband Die Familie lesen wird, sondern sich mit dem hr2 Moderator Ulrich Sonnenschein darüber unterhält, welche Rolle die Romane des großen Peter Kurzeck in seinem Leben und in seinem Werk spielen, und was das alles mit seiner Herkunft, mit Friedberg, Stauffenberg oder Frankfurt zu tun hat. An diesem Sonntagmorgen, 22. März wird Hessen, wird  Oberursel,  zum Nabel der Literatur.

 

AutorenFrühjahr2020

 

Das wiederholt sich dann gleich wieder am 02. April, wenn wir einem nächsten Highlight entgegenfiebern. Der Axel Dielmann Verlag aus Frankfurt hat Großes geleistet: Kein Sammler zu entfernt, kein Archiv zu labyrinthisch, kein Antiquariat zu chaotisch, kein Bücherregal zu verstaubt –  Axel Dielmann und seine bieneneifrigen Mitarbeiter haben geschnüffelt, gesucht, gegraben und vor allem gelesen und haben mehr als tausend Seiten schriftstellerische Ergüsse des fabelhaften Verleger-Schriftsteller Victor Otto Stomps zusammengetragen, die im Frühjahr 2020 in einer vierbändigen Ausgabe erscheinen. Eva Demski und andere Weggenossen und Bewunderer werden zusammen am 02. April nach Oberursel pilgern und auf der kunstbühne portstrasse Kostproben von Stomps schriftstellerischem Können zum besten geben.

 

Und schließlich heißt es bei uns am 30. April wieder: “Frankfurt liest ein Buch- und Oberursel liest mit.” Der Frankfurter Soziologe Tilman Allert führt uns durch die (Parallel-) Welten der jungen Bundesrepublik der 50er Jahre. Genauer gesagt durch das Leben einer Frau, die in diesen Jahren nicht nur in Frankfurt Furore machte: Rosemarie Nitribitt hieß die jungen Dame, die damals den Männern den Kopf verdrehte, davon sehr gut leben konnte, aber frühzeitig ihr Leben lassen musste. Der Schöffling Verlag legt dazu den Roman von Erich Kuby: Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind aus dem Jahr 1958 neu auf. Birgitta Assheuer liest daraus.

 

Wir freuen uns auf die kommenden sechs Monate unter dem Oberurseler LiteraTouren-Himmel voller großer und kleiner Sterne und auf all die neuen Begegnungen und Gespräche mit Ihnen.

 

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

 

Eva Sigrist und Gudrun Dittmeyer